Auf der anderen Seite

                     sand  I
Auf der auf der auf der
Auf der anderen anderen Seite
Schlummert
Meine Zukunft ukunft ukunft?
II
Ich rufe rufe rufe rufe
Es schallt. … allt … allt allt allt … allt
Höre, hör ich … richtig?
Oder … nichtig?

III
Sonnenfarben Pfirsichweich
Streich ich über Hoffnung gleich
Meine Hände fest frohlocken
Mein Kopf kommt ins Stocken

IV
Atem Atem Atem Atem
Luft
Wind streicht und trocknet Lider
Kühlt auch zerstoch’ne Glieder

V
Will den Sprung nun wagen
Über das Wasser
Doch ein Sprung?
Nur einer? Über das Wasser?

VI
Versagen Versagen –
Ich will’s mir nicht versagen
Wird mich das Wasser tragen
… ?

VII
Ich würd’s gern vertagen
Weil Ängste an mir nagen.
Beim ersten Mal soll’s klappen
Ohne durch Dunkelheit zu tappen.

VIII
Übel übel – mir ist übel
Wohl oder.
And’re versuchen und wenns nicht klappt
Nicht gleich in Zweifel verkappt

IX
Puh
Scheitern ist kein Scheitern.
Ich öffne öffne öffne öffne
Laufe laufe laufe laufe.

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(Einverständnis zum Nutzen der Bilder des Urhebers: Brooke Shaden.)

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Hymne der Odette

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Hymne der Odette*
(*Bedeutung des Namen: diejenige, die Erb-Besitz hat und Erb-Besitz schützt)

Verlass das Verlassen und verlass das Verlies des Verlassens, so, dass du verließest das Verlies des Verlassenen.
Verlier das Verlieren und vergiss das Vergessen, so, dass du verlierst das Vergessen und vergisst das Verlieren. 
Hinterfrag das Hinterfragen und vergieß das Vergossene und du wirst lieben das Geliebte und erhalten das Erhaltende.
Fang das Verfangene und verwirf das Verworfene, so, dass das Vergangene vergeht und du dich nicht im Verfangen verfängst.

Verschmilz mit dem Verschmolzenen und verspiel das Verspielte und das Verspielte wird mit dem Verschmolzenen verschmolzen und das Verschmolzene wird mit dem Verspielten verschmollt und verspielt verspielt.
Gestehe dem Gestandenen das Gestehen zu und gebiete dem Gebieter dem Gestehenden das Gebieten zu gebieten, so dass der Gestandene gebietet und der Gebieter gesteht.
Verstör das Verstörende und verlieb das Verstörte, so, dass das Verstörte das Verstörende verstört und sich das Verliebte in das Verstörte verliebt. 
Verbleib dem Verbleibendem und herz das Herzige, so, dass dass du dem Herzigen verbleibst und das verbleibende Verbliebende herzt und das geherzte Herzige dir verbleibt.

Versprich dem Versprochenen das Versprechen, dich nicht versprochen zu haben. Versuch das Versuchte und versuch nicht das Versuchende zu versuchen. 
Vererb dem Vererbten kein Verirren und vertage das verirrte Vertagen, so, dass sich das Vertagen nicht vererbt und das Vererben nicht verirrt.
Verfahre mit dem Verfahrenen nicht in einem verfahrenen Verfahren, sondern verehre den verfahrenen Verehrer, denn dann ist auch der Verfahrenste nicht mehr verfahren.
Verfolge das Verfolgen von Folgen welche Verbliebenen mit folgender Folgschaft verbleiben und verlange das Verlangen, so wirst du erlangen und Verlangen erlangen.

(2015) © Sarah Wetterau

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© Benjamin Anbau, http://www.benjaminphotography.de/ ; Der Nutzung der Bilder wurde durch den Urheber zugestimmt.

Goldbraungrünroter Vergissmeinnicht

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Goldbraungrünroter Vergissmeinnicht

I
Nach langem Widerstreben nahst du endlich.
Auf die glatten heißen Nächte
Folgt mit ernüchternder Brise
Dein funkelnder Atem mit neuem Licht.

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II
Die veränderten Farben machen mir verständlich
Was mir ein berechnender Morgen brächte.
Und deine hoffnungsvolle Kaltakquise
Gewährt frische Blicke in das schattige Dickicht.

III
Ich sinne nun am Fenster allabendlich,
Bestaune die starke Wurzel in Prächte.
Es scheint zu sein genau jene Diese,
Welche stetigen Halt im Sturm verspricht.

IV
Für manch‘ einen doch recht abenteuerlich
Kommt es dem gleich was ich lieber dächte.
Dacht‘ ich, es fehlte eine süße Prise
Zur Vervollkommnung für das perfekte Gedicht.

V
Ach wenn es doch nur nicht abwich
Von den Strudeln die ich emsig flechte,
So sähe ich auf der windigen Wiese
Neben meinem, auch dein Gesicht.

VI
Unter hohen Wipfeln wiegend, beschlich‘
Mich die Antwort, dass ich mich entrechte.
Es war nicht der Wind das Fiese,
Nein, klirrend mich die Sonne sticht.

VII
Die meine Gewohnheit erstarrt alltäglich.
Das scheinbar stehlend‘ verändernd‘ Schlechte
Ragt empor wie ein empörter Riese
Nicht auf einen immerschwülen Sommer erpicht.

VIII
Das Loslassen der Blätter scheint nicht kläglich,
Doch bringt mir Furcht die fern erspähte Wechte.
Werd‘ ich verpflichtet einer Akzise,
Welche versperrt die ersehnte freiheitsreine Sicht?

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IX
Ich beschließ‘ das Los wird sein erträglich
Und werd‘ kämpfen bei Gefällen in die Waagerechte,
Entgegen reitend der nicht aufzuhalt’nen mächt’gen Bise
Gefüllt mit unbekanntem schwang’rem Gewicht.

X
Dein frischer Frühling bin ich fröhlich,
Du mein Herbst, du Liebster aller Spechte.
Nach einer dumpfen föhnig heißen Krise
Der bald kahle Baum mit bunter Sicht besticht.

XI
Töricht verworren verkannt einst fälschlich
Du stilles Geheimnis von edlem Geschlecht,
Wie der heroisch‘ beharrliche Hans der Liese
Sei mein goldbraungrünroter Vergissmeinnicht.

(2015) © Sarah Wetterau
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© Alex Stoddard; Der Nutzung der Bilder wurde durch den Urheber zugestimmt.

Das Halbe Herz

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Das Halbe Herz

I
Ein schmerzhaft verdrehtes verkrümmtes Würmchen,
Träumt von einem nicht so schlimmen Stürmchen.
Klettert hoch auf ein aussichtsweites Türmchen.

II
Feuerschwere Leidenschaft am himmelblauen Horizont.
Die Vision des Lichts sich wohl in Illusionen sonnt?
Hätt‘ sie sich mit mehr Müh‘ verwirklichen gekonnt?

III
Die Sehnsucht singt traurig in kleinen Terzen,
Die Seele dagegen plant Fänge von frischen Nerzen,
Das Gesicht verdeckt von seinen feinen Scherzen.

IV
Einst es ein doppelt Messer mit sich trug,
Welches mit Freud und Lasten um
sich schlug.
Das Würmchen nicht verstand, schreiend nach Befreiung frug.

V
Im Kampf mit aller überschüssigen Kraft
Es schließlich ein verderbliches Feuer entfacht
Das Messer schmilzt noch in selbiger lodernen Nacht.

VI
Zuerst beruhigt, dass nun alles stimmt,
Es schnell das zerschmolz’ne Messer nimmt,
Und sofort den Berg des Friedens erspäht, erklimmt.

VII
Erst nach vielen ruhig schönen Jahrentagen
Fühlt es: das halbe Herz hat augehört zu schlagen.
Es beginnt nun auch Ärger mitzutragen … .

VIII
Nun denkt und fragt verzweifelnd es geschwind.
Emsiger Gedanke neue unsichtbare Wege ersinnt,
Doch Hoffnung und Plan im Sande grad verrinnt.

IX
Kann man heut‘ die Hälfte wohl noch heilen?
Und dann nur des einen Messers Seite herbeeilen?
Schließlich an Freud‘ und Liebe sich beseilen?

X
Es beginnt langsam eine Ahnung heranzureifen.
Das Würmchen hört den flauschig starken Wind schon pfeifen.
Muss sich, um Stand zu haben, arg fest versteifen.

XI
Der Sturm jault wie zehntausend verstimmte Geigen.
Das Kleine kann vor Furcht und Schutz sich nur noch neigen.
Es schluchzt im aussichtslosen stumpfen Leben eigen.

XII
Mit geschloss’nen Augen liegend im Winde wiegt,
Merkt es nicht, dass es bereits gen Norden fliegt,
Blind es nichtsahnend getragen den Kampf besiegt

XIII
Am Horizont die Leidenschaft freudig badend sticht,
Die Äuglein öffnet mit neuem hellem reinen Licht,
Ganze Schönheit und Heilung nun verspricht

XIV
Bevor das Feuerwerk spuckt herrlich ausartend,
Steht ein neues güldnes Messer daneben wartend.
Bereit zum Kampf der Ruhe startend.

(2015) © Sarah Wetterau

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© Alex Stoddard; Der Nutzung der Bilder wurde durch den Urheber zugestimmt.

Kosefeindchen

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Kosefeindchen


Stürzend stürmend sinniere ich.
Kosenamen genieren mich.
Stählender Stolz fixiert dich.
Hass, er gräbt fürchterlich.

Wie konntest du gehen?
Wie konntest du kommen?
Ließest mich stehen!
Ein echtes Vergehen!

Wie konntest du gehen?
Wie konntest du kommen?
Ließest mich flehen
Und Ängste bestehen.

Zitternd zärtlich Zeit verrinnt.
Vergeben will ich nicht geschwind.
Ich bin immer noch dein Kind.
Doch sein will ich bestimmt.

Statt stetigem sträflichem Streifen
Entscheide ich mich nun zu reifen.
Der Ball, zurück, Ping, Päng,
Federt heran mit Gepläng.

Wähl ich Liebe, krieg ich Hiebe.
Bin ich dein Feind, bin ich gemeint.
Lass uns Freunde sein –
auch im gefährlichen Kerzenschein.

(2015) © Sarah Wetterau

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© Alex Stoddard; Der Nutzung der Bilder wurde durch die Urheber zugestimmt.

Wunderware

Wunderware

I
Verzwickte Zwerge zwiebeln zweifellos zwackend zwängend verzwungen.
Flink fließend flunkern flachsend fliegende Flundern.
Schnöder Schnodder stotternd schnatternd schniefend schnupfend schnappend.

II
Träumen Träume träge trommelnd trippelnd trimmend tratschend?
Beginnt begeistert Begehren trällernd triefend trumpfend tragend?
Schmort schmachtend Schmackes Schmiere schmuckvoll schminkend schmälernd?

III
Warm warnend wachen weit wehmütig winkend wache Wachteln.
Ewigkeit oh Ewigzeit, du Traurigkeit und trügend triefend Trauerzeit.
Heiterkeit oh Heiterzeit, du warme wahre wirbelnd winkend Wache, wundersame wunderbare widerspenstig Wunderware.

(2015) © Sarah Wetterau

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 © Brooke Shaden; Der Nutzung der Bilder wurde durch den Urheber zugestimmt.

Warten

Warten

Eingedeckt in Kissen, ruht mein Geist in Trance.
Wartend darauf, den Odem in seinen Gedanken zu spüren.
Schleichend. Die Zeit endet. Die Vase zerbricht.

Impulse durchzucken meinen bisher durchstrukturierten Kosmos.
In mir, das Sehnen nach neuer Geburt.
Erschöpfte Pausen zwischen den Wehen.

Hoffnung bäumt sich schmerzhaft auf.
Resistent muss ich sein. Der Enthüllung frisch entgegen schauen.
Voller Liebe wollen.

(2015) © Sarah Wetterau

www.brookeshaden.com © Brooke Shaden; Der Nutzung der Bilder wurde durch den Urheber zugestimmt.

http://www.brookeshaden.com © Brooke Shaden; Der Nutzung der Bilder wurde durch den Urheber zugestimmt.